Weltcupturnier in Finnland 2017

Ende September war es soweit. Nach etwas hin und her und langer Unklarheit, ob das Turnier überhaupt stattfinden kann, wurde der erste Novuss-Weltcup in Finnland ausgetragen. Mit zwei Teilnehmern machte sich auch ein kleines Team aus Deutschland auf die Reise. 

 

Am Freitag bezogen wir unser Hotel im Zentrum Helsinkis, von wo uns die Organisatoren am Samstagmorgen abholten, da das Turnier etwas außerhalb der Hauptstadt stattfand. So kam es, dass wir weit vor dem Beginn bereits in der kleinen Halle in Gumbostrand waren. Die Heizung hatte es noch nicht ganz geschafft die Halle aufzuwärmen und die Hälfte der Tische war auch noch mit der estnischen Mannschaft unterwegs. So blieb genug Zeit sich die nähere Umgebung mit Blick auf die Ostsee anzuschauen und sich an die geliehenen Queues zu gewöhnen. Da selbst auseinandergebaute Queues im Handgepäck nicht erlaubt sind, durften wir mit zweiteiligen Stöcken, die nur durch einen Holzdübel verbunden wurden, unser Glück versuchen. Was zunächst etwas wacklig wirkte, war dann doch schnell fast normal.

Nach einer kurzen Begrüßung, deren Hauptelemente extra für uns ins Englische übersetzt wurden, ging es dann auch endlich los. Für Miriam ging bei den Frauen mit einem 11er-Feld jede gegen jede, während Felix bei den Männern mit 24 weiteren Kontrahenten im gewohnten Swiss-Turniermodus spielte. Bei den Damen bekam es Miriam gleich mit der an Platz 1 gesetzten Favoritin zu tun und konnte da bereits mit einer knappen 2:4-Nierderlage andeuten, dass heute einiges möglich sein konnte. Die folgenden Gegnerinnen waren dann quasi von leicht nach schwer sortiert, so dass noch vor dem Mittagessen einige Punkte folgten. Felix bekam es in den ersten zwei Runden mit starken Gegnern zu tun, bei denen auch perfekten Runden nicht unbedingt zum Satzgewinn reichten. Nach zwei schnellen Niederlagen hatte sich das Feld etwas sortiert und es kam nun zu gleichwertigen Duellen. Trotzdem brauchte es die spielfreie Runde zum ersten „Sieg“. Miriam hatte dagegen bei zwei Gegnerinnen, die zum ersten Mal an einem Turnier teilnahmen weniger Probleme. Zwar unterliefen ihr auch ab und an leichtsinnige Fehler. Diese wurden aber von den Konkurrentinnen, die teilweise auch nicht ganz regelfest waren, nicht bestraft, sodass nach der knappen Niederlage zu Beginn zwei glatte Siege folgten.

Zur Mittagspause gab es Pasta und Salat im Restaurant, welches sich direkt an der Halle befand. Auf der einen Seite konnten wir den Blick auf die Ostsee genießen. Auf der anderen Seite gab es Fenster zur Halle hinunter wo sich nach und nach die ersten Sportler wieder zu Trainingsrunden einfanden.

 

Am Nachmittag galt es nun für Felix endlich ein paar Punkte einzusammeln, um im Ranking noch ein paar Plätze gut zu machen, während es bei Miriam spannend zu beobachten sein würde, wie sie sich nach dem guten Start am Vormittag gegen die erfahreneren Spielerinnen schlagen würde. Bei den Männern tat sich Felix sichtlich schwer. Trotz einiger schöner Spielzüge fehlte an diesem Tag die notwendige Konstanz. Einige Unentschieden auch gegen besserplatzierte Spieler waren zwar noch drin. Sobald der Anschluss ans untere Mittelfeld möglich war, folgte jedoch die nächste Niederlage und am Ende reichte es mit Platz 23 nicht einmal für die besten 20 Plätze. Miriam hingegen konnte auch weiterhin Punkte sammeln, allerdings deuteten die Satzverhältnisse bereits an, dass der Turnierplan nun mit jedem Spiel eine noch etwas bessere Gegnerin für sie vorsah. So sah es zwei Runden vor Schluss nach einem sicheren 8. Platz und dem ersten Top-Ten-Ergebnis aus. In der vorletzten Runde wusste Miriam dann aber zu überraschen und holte einen weiteren Sieg.

In der letzten Runde kam es damit zum Fernduell um Platz 6, wobei es das Wort Fernduell nicht ganz trifft, da es an zwei benachbarten Tischen ausgespielt wurde. Da die Männer mittlerweile ihr Turnier beendet hatten, spielten die Frauen nun sehr zügig hintereinander weg, sodass Miriam vor dem Spiel gar keine Zeit hatte, sich das Tableau genauer anzuschauen und zu überlegen, was noch möglich sein könnte. So spielte sie auch diese Runde ohne Druck und lag schnell gegen die Zweitplatzierte des Tages mit 3:1 in Führung. Im fünften Spiel hatte sie dann quasi den Matchstein schon auf dem Tisch, zeigte dann aber doch eine Unkonzentriertheit und spielte ihn knapp am Loch vorbei. Ihre Gegnerin konnte diesen Fehler gleich nutzen und beendete im Gegenzug den Satz. Miriam dachte zwar in diesem Moment, dass es nun 3:3 stehen würde, aber ein Satz blieb ihr ja noch. Da sich am Nachbartisch eine Niederlage für die bisher Sechst-Platzierte andeutete, könnte dieser Satz sogar noch zum Mittelplatz im 11er-Feld reichen. Und tatsächlich reichte es mit einem fehlerlosen Satz gegen die zweitbeste Frau des Tages zu einem überraschenden 4:2 Sieg und einem fantastischen Abschluss aus deutscher Sicht.

Auch wenn es nicht fürs Treppchen reichte, bot die anschließende Siegerehrung noch eine schöne Überraschung. Die finnischen Organisatoren hatten sich den Modus ausgedacht jeder und jedem Besten eines Landes einen Preis zu übergeben. Quasi konkurrenzlos in dieser Wertung konnten sich Miriam und Felix über eine Tasse freuen, die passend zum Weltcup bedruck ist, und somit auch einen Cup mit nach Hause nehmen.

Das Turnier im Doppel am nächsten Tag ließen wir dann saußen und nutzten stattdessen die Gelegenheit uns einen Tag lang die finnische Hauptstadt anzusehen. Alles in allem war es ein sehr schönes Turnier im Kreis der Novuss-Familie mit vielen mittlerweile bekannten Gesichtern aber auch vielen neuen Bekanntschaften. Dank einiger Punkte in der Weltcupwertung hat sich die Reise vorallem für Miriam gelohnt, die sich nach ihrem erst zweiten Turnier bereits auf Platz 95 befindet (Platz 54 in der Jahreswertung).